Mal ehrlich: Dortmunds Strategie ist schon länger klar. Junge Spieler kaufen, entwickeln, teuer verkaufen. So finanzieren sie den Betrieb. Sancho wechselte 2021 für 85 Millionen Euro zu Manchester United, und Bellingham ging 2023 für anfänglich 103 Millionen Euro zu Real Madrid. Das ist viel Talent und viel Geld, das reinvestiert werden muss. Die Herausforderung besteht wie immer darin, die nächste Welle zu finden, bevor sie zu bekannten Namen werden.
Man kann einen Bellingham nicht einfach ersetzen. Der Junge hat jeden Grashalm beackert und in seiner letzten Saison für Dortmund 14 Tore erzielt. Seine Führung, selbst mit 19 Jahren, war etwas Besonderes. Der Verein muss also anders denken. Die Gerüchte rund um das Westfalenstadion deuten auf einen zweigleisigen Ansatz hin: intelligente externe Rekrutierung und eine stärkere Abhängigkeit von ihrer angesehenen Akademie.
Auf der Rekrutierungsseite gab Dortmund im Sommer 2024 30 Millionen Euro für Stürmer Serhou Guirassy vom VfB Stuttgart aus. Guirassy, der in der Saison 2023/24 28 Tore in 28 Bundesligaspielen erzielte, bringt eine bewährte Torgefahr mit, die nach Erling Haalands Abgang manchmal fehlte. Er ist kein Talent; er ist ein Vollstrecker. Daneben sicherte sich der Verein auch Flügelspieler Brajan Gruda von Mainz für 18 Millionen Euro. Der 20-jährige Gruda ist ein trickreicher, direkter Spieler, der in 29 Ligaspielen für Mainz in der Saison 2023/24 4 Tore und 3 Vorlagen lieferte und damit dem Profil eines vielversprechenden Flügelspielers entspricht. Dies sind keine Blockbuster-Transfers wie früher, sondern gezielte Ergänzungen, die sofortige Wirkung und zukünftigen Wert hinzufügen sollen.
Dann ist da noch die Akademie. Dortmunds U19- und U17-Mannschaften bringen konstant Top-Talente hervor. Paris Brunner, der Gewinner des Goldenen Balls bei der U17-Weltmeisterschaft 2023, drängt stark auf Einsätze in der ersten Mannschaft. Er erzielte in der Saison 2024/25 16 Tore in 20 Spielen für die U19 und könnte 2025/26 ein echter Durchbruch-Star werden, der möglicherweise mit Guirassy rotiert oder mit ihm zusammenspielt. Kjell Wätjen, ein zentraler Mittelfeldspieler, der im April 2024 sein Debüt in der Profimannschaft gab, ist ein weiterer Name, den man im Auge behalten sollte. Da Emre Can auf die 30 zugeht, könnten Wätjens Energie und Passspiel – er hatte in seinen begrenzten Einsätzen in der Profimannschaft eine Passquote von 88 % – ihn zu einer festen Größe im Doppelpivot machen. Diese Youngster, zusammen mit etablierten Veteranen wie Julian Brandt und Nico Schlotterbeck, bilden den Kern des neuen Dortmund.
Die taktische Aufstellung unter Trainer Edin Terzić war schon immer etwas fließend, aber der Abgang eines dominanten Mittelfeldspielers wie Bellingham erzwingt eine Neubewertung. Mit Guirassy im Sturm ist zu erwarten, dass Dortmund manchmal direkter spielen wird, um seine Kopfballstärke und seinen Torinstinkt im Strafraum zu nutzen. Brandt, der in der Saison 2023/24 11 Vorlagen lieferte, wird eine wichtige Rolle bei der Versorgung von Guirassy und Gruda spielen. Das Mittelfeld, ohne Bellinghams einzigartige Box-to-Box-Präsenz, wird wahrscheinlich auf einen strukturierteren Doppelpivot setzen, möglicherweise mit Can und dem aufstrebenden Wätjen, der sich auf Kontrolle und schnelle Übergänge konzentriert.
Die größte Frage ist, ob dieser Kader eine echte Titelherausforderung meistern kann. Bayern München bleibt, auch mit ihren gelegentlichen Schwankungen, der Maßstab, nachdem sie von 2013 bis 2023 elf Bundesliga-Titel in Folge gewonnen haben. Leverkusen unter Xabi Alonso brach diese Serie 2024, und sie haben stark investiert, um wettbewerbsfähig zu bleiben, indem sie Schlüsselspieler wie Florian Wirtz und Victor Boniface hielten. Dortmund beendete die Saison 2023/24 auf dem 5. Platz mit 63 Punkten, ganze 27 Punkte hinter Leverkusen. Das ist eine enorme Lücke, die es zu schließen gilt.
Hier ist meine kühne These: Dortmund wird die Bundesliga 2025/26 nicht gewinnen. Noch nicht. Der Kader ist zwar talentiert, aber es fehlt ihm die konstante, Weltklasse-individuelle Brillanz, die Bayern und Leverkusen derzeit auf mehreren Positionen aufweisen. Sie haben zwar Bausteine, aber der Zusammenhalt und die Tiefe, um einen 34-Spiele-Titelkampf gegen diese beiden zu bestehen, sind noch in Arbeit. Die Erwartung, und das sollte das Mindestziel sein, ist ein Top-Vier-Platz und ein starkes Abschneiden in der Champions-League-Gruppenphase. Die Atmosphäre im Signal Iduna Park wird ihren Teil dazu beitragen, wie immer. Diese Gelbe Wand hat schon schwächere Teams angefeuert und sie zu unwahrscheinlichen Siegen getrieben. Aber selbst das gewinnt dir nicht direkt einen Meistertitel.
Meine kühne Vorhersage: Dortmund wird 2025/26 Dritter in der Bundesliga werden, sich für die Champions League qualifizieren, aber den Titelkampf verpassen.